Die Verlassenheit
Von Christian Morisot
Mir scheint, dass „L'abandon“ (Die Verlassenheit) verstörend ist, weil sie es wagt, das zu zeigen, was unsere Zeit lieber verdrängt.
Nicht durch Parolen oder militante Rhetorik, sondern durch Schweigen, Blicke und Akte des Verzichts.
Denn Worte allein verändern nicht die Realität. Man kann rhetorische Vorsichtsmaßnahmen vervielfachen und Verantwortung an den Rand der Sprache schieben; der Kern bleibt bestehen: Der Islamismus tötet.
Der Film sagt nichts anderes – und darin spiegelt er die Worte vieler Muslime wider, die Samuel Paty unterstützten, bevor die Angst die Oberhand gewann.
Mir scheint, dass „L'abandon“ (Die Verlassenheit) verstörend ist, weil sie es wagt, das zu zeigen, was unsere Zeit lieber verdrängt.
Nicht durch Parolen oder militante Rhetorik, sondern durch Schweigen, Blicke und Akte des Verzichts.
Denn Worte allein verändern nicht die Realität. Man kann rhetorische Vorsichtsmaßnahmen vervielfachen und Verantwortung an den Rand der Sprache schieben; der Kern bleibt bestehen: Der Islamismus tötet.
Der Film sagt nichts anderes – und darin spiegelt er die Worte vieler Muslime wider, die Samuel Paty unterstützten, bevor die Angst die Oberhand gewann.
Die Unehrlichkeit mancher Kritik am Film liegt darin, dass sie Kritik am Fundamentalismus mit einem Angriff auf eine Religion gleichsetzt. Als sei es unmöglich geworden, einen friedlich gelebten Glauben von einer totalitären Ideologie zu unterscheiden, die diesen Glauben instrumentalisiert, um Angst und Schweigen zu verbreiten.
Eine Frage bleibt also: Warum herrscht um diesen Film eine solche Unruhe, selbst in der Stille der Filmfestspiele von Cannes, die ihm dennoch stehende Ovationen spendeten? Warum diese fast nervöse, ja schizophrene Vorsicht, wenn ein Werk sich mit radikalem Islamismus auseinandersetzt?
Zweifellos, weil „The Abandonment“ nicht einfach nur ein Verbrechen schildert.
Er erzählt auch von einer Reihe kollektiven Versagens: Feigheit der Verwaltung, menschlicher Verlassenheit, institutioneller Vorsicht, die wichtiger geworden ist als die Wahrheit.
Denn Samuel Paty war nicht nur das Opfer eines Fanatikers. Er wurde auch allein gelassen. Allein dem Druck, absurden Anschuldigungen, den Berechnungen einiger und dem Schweigen anderer ausgesetzt.
Der Film schildert diese Abwärtsspirale mit erdrückender Zurückhaltung: die Angst, sich zu äußern, die Angst, beschuldigt zu werden, die Angst, „Verallgemeinerungen“ zu treffen, bis niemand mehr wagt, das Offensichtliche klar zu verteidigen.
Und währenddessen bezeugen Lehrer – oft anonym – weiterhin ein sich verschlechterndes Klima. Religiöser Druck, Ablehnung bestimmter Lehren, allgegenwärtige Einschüchterung. Keine Fantasiegebilde, sondern subtile Anzeichen, die viele lieber verharmlosen, bis sie sich nicht mehr leugnen lassen.
Dann nimmt das Wort „Verlassenheit“ eine schreckliche Bedeutung an. Es bezeichnet nicht mehr nur einen verlassenen Menschen, sondern eine Gesellschaft, die allmählich den Mut verliert, sich bestimmten Realitäten zu stellen.
Hinter den sorgfältig gewählten Worten und rhetorischen Verrenkungen verbirgt sich eine bittere Wahrheit: Samuel Paty wurde unter dem Ruf „Allahu Akbar“ enthauptet.
Dieser eine Satz genügt, um das Unbehagen zu erklären.
Denn er rückt die Realität brutal in den Mittelpunkt der Debatte.
Deshalb ist dieser Film so verstörend. Denn er spricht nicht nur von einem Attentat. Er spricht auch von allem, was dieses Attentat umgibt und wovor man wegsieht.
Eine Frage bleibt also: Warum herrscht um diesen Film eine solche Unruhe, selbst in der Stille der Filmfestspiele von Cannes, die ihm dennoch stehende Ovationen spendeten? Warum diese fast nervöse, ja schizophrene Vorsicht, wenn ein Werk sich mit radikalem Islamismus auseinandersetzt?
Zweifellos, weil „The Abandonment“ nicht einfach nur ein Verbrechen schildert.
Er erzählt auch von einer Reihe kollektiven Versagens: Feigheit der Verwaltung, menschlicher Verlassenheit, institutioneller Vorsicht, die wichtiger geworden ist als die Wahrheit.
Denn Samuel Paty war nicht nur das Opfer eines Fanatikers. Er wurde auch allein gelassen. Allein dem Druck, absurden Anschuldigungen, den Berechnungen einiger und dem Schweigen anderer ausgesetzt.
Der Film schildert diese Abwärtsspirale mit erdrückender Zurückhaltung: die Angst, sich zu äußern, die Angst, beschuldigt zu werden, die Angst, „Verallgemeinerungen“ zu treffen, bis niemand mehr wagt, das Offensichtliche klar zu verteidigen.
Und währenddessen bezeugen Lehrer – oft anonym – weiterhin ein sich verschlechterndes Klima. Religiöser Druck, Ablehnung bestimmter Lehren, allgegenwärtige Einschüchterung. Keine Fantasiegebilde, sondern subtile Anzeichen, die viele lieber verharmlosen, bis sie sich nicht mehr leugnen lassen.
Dann nimmt das Wort „Verlassenheit“ eine schreckliche Bedeutung an. Es bezeichnet nicht mehr nur einen verlassenen Menschen, sondern eine Gesellschaft, die allmählich den Mut verliert, sich bestimmten Realitäten zu stellen.
Hinter den sorgfältig gewählten Worten und rhetorischen Verrenkungen verbirgt sich eine bittere Wahrheit: Samuel Paty wurde unter dem Ruf „Allahu Akbar“ enthauptet.
Dieser eine Satz genügt, um das Unbehagen zu erklären.
Denn er rückt die Realität brutal in den Mittelpunkt der Debatte.
Deshalb ist dieser Film so verstörend. Denn er spricht nicht nur von einem Attentat. Er spricht auch von allem, was dieses Attentat umgibt und wovor man wegsieht.