Tim und Struppi in Jules Vernes Welt
Das Vermächtnis eines imaginären Abenteuers
Von Louis Perez y Cid
Das 1998 von Jean-Paul Tomasi und Michel Deligne veröffentlichte Buch „Tim und Struppi in Jules Vernes Welt“ bietet eine faszinierende Lektüre von Hergés Werk im Lichte von Vernes Erbe. Mehr als eine bloße Suche nach Ähnlichkeiten oder Einflüssen beleuchtet dieses Buch eine echte künstlerische Verwandtschaft zwischen zwei Schöpfern, die die Geschichte der Abenteuergeschichten maßgeblich geprägt haben.
Auf den ersten Blick scheint alles Jules Verne und Hergé zu trennen. Ersterer ist ein Romancier des 19. Jahrhunderts, ein Pionier der wissenschaftlichen Literatur und großer imaginärer Reisen.
Letzterer ist ein Comiczeichner des 20. Jahrhunderts, Schöpfer eines Reporters, der zu einer der wichtigsten Figuren der europäischen Popkultur wurde. Doch durch die Untersuchung ihrer jeweiligen Werke enthüllen Tomasi und Deligne eine überraschende intellektuelle und kreative Verwandtschaft.
Das 1998 von Jean-Paul Tomasi und Michel Deligne veröffentlichte Buch „Tim und Struppi in Jules Vernes Welt“ bietet eine faszinierende Lektüre von Hergés Werk im Lichte von Vernes Erbe. Mehr als eine bloße Suche nach Ähnlichkeiten oder Einflüssen beleuchtet dieses Buch eine echte künstlerische Verwandtschaft zwischen zwei Schöpfern, die die Geschichte der Abenteuergeschichten maßgeblich geprägt haben.
Auf den ersten Blick scheint alles Jules Verne und Hergé zu trennen. Ersterer ist ein Romancier des 19. Jahrhunderts, ein Pionier der wissenschaftlichen Literatur und großer imaginärer Reisen.
Letzterer ist ein Comiczeichner des 20. Jahrhunderts, Schöpfer eines Reporters, der zu einer der wichtigsten Figuren der europäischen Popkultur wurde. Doch durch die Untersuchung ihrer jeweiligen Werke enthüllen Tomasi und Deligne eine überraschende intellektuelle und kreative Verwandtschaft.
Für Verne und Hergé ist Abenteuer in erster Linie eine Einladung, die Welt zu entdecken. Ozeane, Wüsten, Gebirge, die Pole und sogar der Weltraum werden zu Gebieten der Erkundung, in denen Neugier, Wissenschaft und Selbstverwirklichung ineinandergreifen.
Die Helden überschreiten nicht nur geografische, sondern auch Wissensgrenzen. Diese humanistische Sicht auf das Reisen ist zweifellos einer der stärksten Berührungspunkte zwischen den beiden Welten.
Die Autoren zeigen zudem, dass Tim und Struppis Geschichten mehrere Themen, die Jules Verne am Herzen lagen, in moderner Form fortführen: wissenschaftliche Expeditionen, untergegangene Zivilisationen, archäologische Rätsel, technologische Innovationen und die Faszination für unbekannte Länder.
Von „20.000 Meilen unter dem Meer“ bis „Die geheimnisvolle Insel“, von „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ bis zu Tims Mondabenteuern scheint derselbe romantische Geist beide Schöpfer zu beseeln. Doch die Stärke des Buches liegt gerade darin, dass es Hergé niemals auf einen bloßen Erben reduziert. Im Gegenteil, es zeigt, wie der belgische Comiczeichner sich diese imaginäre Welt aneignete und sie transformierte. Während Verne sich mit seinem Roman an die Leser des 19. Jahrhunderts wandte, erfand Hergé die moderne Sprache der Comics. Er adaptierte die großen Mythen der Entdeckungsreisen für eine Ära, die von Luftfahrt, Radio, Kino und den geopolitischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts geprägt war.
Die Helden überschreiten nicht nur geografische, sondern auch Wissensgrenzen. Diese humanistische Sicht auf das Reisen ist zweifellos einer der stärksten Berührungspunkte zwischen den beiden Welten.
Die Autoren zeigen zudem, dass Tim und Struppis Geschichten mehrere Themen, die Jules Verne am Herzen lagen, in moderner Form fortführen: wissenschaftliche Expeditionen, untergegangene Zivilisationen, archäologische Rätsel, technologische Innovationen und die Faszination für unbekannte Länder.
Von „20.000 Meilen unter dem Meer“ bis „Die geheimnisvolle Insel“, von „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ bis zu Tims Mondabenteuern scheint derselbe romantische Geist beide Schöpfer zu beseeln. Doch die Stärke des Buches liegt gerade darin, dass es Hergé niemals auf einen bloßen Erben reduziert. Im Gegenteil, es zeigt, wie der belgische Comiczeichner sich diese imaginäre Welt aneignete und sie transformierte. Während Verne sich mit seinem Roman an die Leser des 19. Jahrhunderts wandte, erfand Hergé die moderne Sprache der Comics. Er adaptierte die großen Mythen der Entdeckungsreisen für eine Ära, die von Luftfahrt, Radio, Kino und den geopolitischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts geprägt war.
So erscheint Tim weniger als Vernes Schüler denn als sein Nachfolger. Beide teilen den Glauben an die menschliche Intelligenz, die Faszination für den Fortschritt und die Fähigkeit, ihre Leser zum Träumen zu bringen, indem sie sie immer weiter in die Ferne führen.
Der eine öffnete die Türen zu den „Außergewöhnlichen Reisen“, der andere durchschritt sie, um sie ins Zeitalter des Bildes zu führen.
Mehr als ein Vierteljahrhundert nach seiner Veröffentlichung ist „Tim in Jules Vernes Welt“ nach wie vor eine wertvolle Studie, um zu verstehen, wie große Werke über die Zeit hinweg miteinander in Resonanz treten. Indem Jean-Paul Tomasi und Michel Deligne die Verbindungen zwischen Literatur und Comics aufzeigen, erinnern sie uns daran, dass kein Werk isoliert entsteht.
Kunst nährt sich von Kunst.
Die von Tim und Struppi in Jules Vernes Welt aufgeworfene Überlegung reicht weit über den Fall von Hergé und Jules Verne hinaus. Sie berührt eine grundlegende Realität allen künstlerischen Schaffens: Werke entstehen oft aus der Auseinandersetzung mit vorangegangenen Werken.
Das Beispiel von Jules Verne und Hergé veranschaulicht dies perfekt. Der Schriftsteller des 19. Jahrhunderts erdachte außergewöhnliche Reisen, die Generationen von Lesern fesselten. Einige Jahrzehnte später griff Hergé diese Vorliebe für Erkundung, Entdeckung und wissenschaftlichen Fortschritt auf und übertrug sie in die Sprache der Comics.
Der eine öffnete die Türen zu den „Außergewöhnlichen Reisen“, der andere durchschritt sie, um sie ins Zeitalter des Bildes zu führen.
Mehr als ein Vierteljahrhundert nach seiner Veröffentlichung ist „Tim in Jules Vernes Welt“ nach wie vor eine wertvolle Studie, um zu verstehen, wie große Werke über die Zeit hinweg miteinander in Resonanz treten. Indem Jean-Paul Tomasi und Michel Deligne die Verbindungen zwischen Literatur und Comics aufzeigen, erinnern sie uns daran, dass kein Werk isoliert entsteht.
Kunst nährt sich von Kunst.
Die von Tim und Struppi in Jules Vernes Welt aufgeworfene Überlegung reicht weit über den Fall von Hergé und Jules Verne hinaus. Sie berührt eine grundlegende Realität allen künstlerischen Schaffens: Werke entstehen oft aus der Auseinandersetzung mit vorangegangenen Werken.
Das Beispiel von Jules Verne und Hergé veranschaulicht dies perfekt. Der Schriftsteller des 19. Jahrhunderts erdachte außergewöhnliche Reisen, die Generationen von Lesern fesselten. Einige Jahrzehnte später griff Hergé diese Vorliebe für Erkundung, Entdeckung und wissenschaftlichen Fortschritt auf und übertrug sie in die Sprache der Comics.
Dieses Phänomen findet sich in vielen künstlerischen Bereichen. Die sprechenden Tiere in manchen modernen Werken entstehen nicht aus dem Nichts. Lange vor Kino und Comics gab es bereits Fabeln, Märchen und sogar einige Lehrbücher zum Lesenlernen, in denen sprechende Tiere vorkamen, um Wissen und moralische Werte zu vermitteln. Jean de La Fontaine selbst stand in einer viel älteren Tradition, die bis in die Antike zurückreicht.
Auch Walt Disney hat Schneewittchen, Aschenputtel und Dornröschen nicht erfunden. Sein Genie lag darin, auf das Erbe europäischer Märchen zurückzugreifen, insbesondere auf die von den Brüdern Grimm gesammelten, und ihnen durch Animation und filmische Techniken des 20. Jahrhunderts neues Leben einzuhauchen.
Auch Walt Disney hat Schneewittchen, Aschenputtel und Dornröschen nicht erfunden. Sein Genie lag darin, auf das Erbe europäischer Märchen zurückzugreifen, insbesondere auf die von den Brüdern Grimm gesammelten, und ihnen durch Animation und filmische Techniken des 20. Jahrhunderts neues Leben einzuhauchen.
Die Geschichte des Manga bietet ein weiteres bemerkenswertes Beispiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg bewunderte Osamu Tezuka, der als Vater des modernen Manga gilt, Disneys Werke zutiefst. Er war besonders von der Ausdruckskraft ihrer Figuren und ihren charakteristischen großen Augen begeistert. Dennoch verwechselt heute niemand mehr Disney und Tezuka. Der Einfluss ist obwohl erkennbar, hat es sich so weit entwickelt, dass eine originelle Bildsprache entstanden ist, die zu einem der Markenzeichen des zeitgenössischen Manga geworden ist.
Genau das demonstriert Tim und Struppi in Jules Vernes Werk. Hergé ist kein Nachahmer Jules Vernes; er gehört zu jener langen Reihe von Künstlern, die sich eines kulturellen Erbes bedienen, um es neu zu erfinden. Große Werke werden nicht kopiert; sie erweitern, transformieren und eröffnen neue Wege.
Genau das demonstriert Tim und Struppi in Jules Vernes Werk. Hergé ist kein Nachahmer Jules Vernes; er gehört zu jener langen Reihe von Künstlern, die sich eines kulturellen Erbes bedienen, um es neu zu erfinden. Große Werke werden nicht kopiert; sie erweitern, transformieren und eröffnen neue Wege.
Jules Verne und Hergé erscheinen somit weniger als Meister und Schüler, sondern vielmehr als zwei Glieder desselben intellektuellen Abenteuers: dem der menschlichen Vorstellungskraft, die weitergegeben, erneuert wird und jede Generation aufs Neue inspiriert.
Denn Originalität ist nicht die Abwesenheit von Einflüssen; sie liegt in der Fähigkeit, ein Erbe in ein neues Werk zu verwandeln.
Denn Originalität ist nicht die Abwesenheit von Einflüssen; sie liegt in der Fähigkeit, ein Erbe in ein neues Werk zu verwandeln.