EDITORIAL 6
Solidarität in der französischen Fremdenlegion
Von Louis Perez y Cid
Solidarität entsteht nicht aus Freude, sondern aus Schmerz. Wir fühlen uns denen näher, mit denen wir gelitten haben, als denen, mit denen wir Erfolge gefeiert haben. Glück schmeichelt dem Ego. Not aber schweißt zusammen. In jedem gemeinsamen Sieg mischt sich ein Hauch von Bitterkeit. Jeder bewertet seinen Beitrag, vergleicht sich mit anderen und fühlt sich manchmal ungerecht behandelt. Familien zerbrechen an Erbschaften, Gruppen zerfallen nach Erfolgen, Bewegungen lösen sich auf, sobald die Macht ergriffen ist. Triumph spaltet. Unglück vereint.
Der Zusammenhalt einer Kerngruppe entsteht anderswo, in der Erinnerung an eine gemeinsame Prüfung. Dort tritt das Individuum in den Hintergrund und macht dem Ganzen Platz. In der französischen Fremdenlegion hat diese Erinnerung einen Namen: Camerone.
Es ist kein schöner Mythos. Es ist eine Niederlage, eine Qual, eine Treue bis in den Tod. Aber genau deshalb ist sie das Fundament der Legionärssolidarität. Hier wird nicht der Sieg gefeiert, sondern das Opfer. Nicht der Erfolg, sondern die Treue in der Not.
Die Etymologie spricht Bände. Mitgefühl und Anteilnahme bedeuten „mitleiden“. In der Fremdenlegion ist Solidarität kein abstraktes Gefühl. Sie ist gelebte Erfahrung, weitergegeben und bewahrt. Sie ist das unsichtbare Band, das die Gefallenen, die Leidenden und die Dienenden vereint.
Deshalb entstehen in der Geschichte der Fremdenlegion nach Kriegen immer wieder große Akte der Solidarität. Nach den Massengräbern von 1914 setzte sich General Rollet für die verwundeten Veteranen ein, und nach der Finanzkrise von 1929 wurde das Legionärshaus in Auriol errichtet. Nach 1945 führte Oberst Gaultier diese brüderliche Arbeit fort. Und nach dem Indochinakrieg, den General Coullon als „Völkermord an der französischen Armee“ bezeichnete, schenkte General König der Fremdenlegion das Invalidenheim in Puyloubier, eine Zuflucht für Verwundete und Veteranen.
Jedes Mal galt dieselbe Logik: Schmerz erfordert gegenseitige Unterstützung. Verlust erfordert Treue. Nichts ist theoretisch. Alles ist instinktiv.
Diese Solidarität reicht über die Dienstzeit hinaus. Sie besteht fort unter den Veteranen, in Vereinen, in Zeitschriften, in Képi Blanc – ein Bindeglied zwischen denen, die noch Uniform tragen, und denen, die sie abgelegt haben, ohne jemals die Legion zu verlassen.
Sie ist auch in Stein gemeißelt. Das Kriegerdenkmal der Fremdenlegion, finanziert von den Legionären selbst und ihren Veteranen, ist kein offizielles, von oben verordnetes Monument. Es ist ein Opfer.
In Sidi Bel Abbès wurde es „das Tintenfass“ genannt. In Aubagne wurde es als „La Boule“ (Der Ball) bekannt. Wie auch immer der Name lautet, es ist der Fixpunkt, um den sich das kollektive Gedächtnis dreht.
Für die Legionäre ist Solidarität weder ein Diskurs noch ein Moralkodex. Sie ist Treue. Treue zu den Toten. Treue zu den Verwundeten. Treue denen, die einst bis zum Schluss durchhielten.
In der Fremdenlegion vereinen wir uns nicht, weil wir gemeinsam gesiegt haben.
Wir vereinen uns, weil wir gemeinsam gelitten haben.
In Sidi Bel Abbès wurde es „das Tintenfass“ genannt. In Aubagne wurde es als „La Boule“ (Der Ball) bekannt. Wie auch immer der Name lautet, es ist der Fixpunkt, um den sich das kollektive Gedächtnis dreht.
Für die Legionäre ist Solidarität weder ein Diskurs noch ein Moralkodex. Sie ist Treue. Treue zu den Toten. Treue zu den Verwundeten. Treue denen, die einst bis zum Schluss durchhielten.
In der Fremdenlegion vereinen wir uns nicht, weil wir gemeinsam gesiegt haben.
Wir vereinen uns, weil wir gemeinsam gelitten haben.